Simon Iurino
Simon Iurino, geboren 1986 in Bozen, Italien, ist ein zeitgenössischer Künstler, der in Wien, Österreich, lebt und arbeitet. Er studierte in der Meisterklasse für Objektplastik an der Akademie der Bildenden Künste Urbino, Italien. Anschließend absolvierte er ein einjähriges Studium an der renommierten Central Saint Martins Academy in London, UK. Der Künstler schloss sein Studium in der Meisterklasse für Textile Skulptur bei dem bekannten Professor Heimo Zobernig ab, mit dem Iurino in den folgenden Jahren zusammenarbeitete. Das Werk von Simon Iurino umfasst eine Vielzahl von Medien, von architektonischer Intervention und Installation bis hin zu Skulptur und Malerei. Seine Praxis in all diesen Formen ist durch eine Untersuchung der formalen Sprache des Modernismus verbunden, und der Künstler möchte den Bildträger – Leinwand, Papier – selbst zum Inhalt des Kunstwerks machen.
Mit seiner neuesten Serie CYANOTYPES spielt Iurino mit der alten Technik des natürlichen Blaupausens, die für architektonische Zeichnungen verwendet wird. Er hat eine Praxis des Zusammenfügens von Schichten. Die Geschichte eines Ortes kann in der Form oder dem Material seines Werks erscheinen. Der Titel kann das Konzept widerspiegeln. Der Ort kann die Ästhetik genauso beeinflussen wie Material oder räumliche Notwendigkeiten. Iurinos Werke wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen in Italien und im Ausland gezeigt. Er gewann Preise, erhielt Residenzen und wird von 2 Galerien vertreten sowie in institutionellen und wichtigen Privatsammlungen.
„Perfection is achieved not when there is nothing more to add, but when there is nothing left to take away.“
— Antoine de Saint-Exupéry
Über
Simon Iurino
CYANOTYPES
Simon Iurino, geboren 1986 in Bozen, Italien, zeigt für die 9. Ausgabe von Carte Blanche mit dem Titel CYANOTYPES kürzlich fertiggestellte, bisher nicht gezeigte Werke und ortsspezifische Installationen.
Von Zyanotypien auf Papier bis hin zu großformatigen Kunstwerken auf Textilien und kleineren Werken mit Buchstabenwürfeln und Filamenten werfen wir einen harmonischen Blick auf das Œuvre des Künstlers.
Iurino drückt sich oft durch Skulptur, Malerei und Installation aus und interessiert sich besonders für die Schnittstellen, an denen verschiedene Kategorien wie Skulptur und Architektur aufeinandertreffen und sich überschneiden.
Die Montage vorgefertigter Metallstrukturen ermöglicht es dem Künstler, Standardmaterialien und -module neu zu kontextualisieren, ihre Ästhetik zu verändern und neue räumliche Konfigurationen zu schaffen.
Ein wichtiges Element von Simon Iurinos Skulpturen, sowohl großen als auch kleinen, ist die Verwendung von Industriematerialien wie Kupferrohren oder extrudierten Keramikrohren; die Skulpturen sind gebogen, verdreht und schlangen sich durch keramische Siebdrucke, Emaille und Oxide nach oben.
Mit seiner expansiven Installation schafft Simon Iurino eine begehbare Bühne, die das Verhältnis zwischen Skulptur, Architektur und Ausstellungspräsentation künstlerisch hinterfragt. Industriell hergestellte Materialien und Module wie Metallrahmen, die der Künstler oft in Baumärkten findet und in industriell vorgeschriebenen Standardabmessungen verwendet, werden auf ihre ästhetischen Entwicklungsmöglichkeiten untersucht und im künstlerischen Prozess neu kontextualisiert. Auf diese Weise untersucht Iurino das Verhältnis zwischen Alltagsgegenständen und Kunstwerken in der Tradition der Minimal Art und wirft nicht zuletzt einen kritischen Blick auf Kunst als Betriebssystem.
Unter Verwendung der nun anachronistischen Technik der Zyanotypie, einem fotografischen Verfahren, das 2018 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde, fixiert Iurino Materialien wie Stoffe oder Netze. Zyanotypie, auch als Blaupause oder Eisenblaupause bekannt, ist ein altes fotografisches Verfahren mit typischen cyanblauen Tönen. Der englische Ausdruck „blue print“, ein erster Entwurf in der Architektur, stammt von dieser Technik, die seit 1870 für diesen Zweck zur Vervielfältigung von Plänen verwendet wird.
Künstlerisch stand diese Technik immer etwas abseits. Lange Zeit wurde sie nicht zu den edlen fotografischen Druckverfahren gezählt, was bezeichnend für Simon Iurinos künstlerische Praxis ist. Der Prozess hat eine relativ lange Entwicklungszeit, erfordert aber keine Dunkelkammer, da die in einer chemischen Lösung getränkte Tinte nicht verwendet wird. Der mit einer chemischen Lösung getränkte Bildträger wird direkt der Sonne ausgesetzt; der Bildträger wird zum Inhalt des Bildes.
Diese Kunstwerke, die im Hauptgemeinschaftsbereich der Räumlichkeiten des Hotel Aurora ausgestellt sind, stechen durch ihren formalen Rigorismus hervor und kehren die Ordnung der Alltagsdinge um, sodass eine neue, defunktionalisierte Form sichtbar wird.
Simon Iurinos künstlerische Praxis oszilliert zwischen begehbarer Skulptur und dem inhärenten Display. Die Geschichte eines Ortes kann die Form oder das Material des Objekts beeinflussen. Ebenso kann der Titel das Konzept beschreiben oder äußere Umstände können ästhetische Entscheidungen beeinflussen. Die Materialität spielt auch für den Künstler eine wichtige Rolle.
Iurino, der bei Heimo Zobernig an der Akademie der Bildenden Künste Wien textile Skulptur studierte, erkundet den Raum auf sein Potenzial und lädt zu neuen Begegnungen mit unserer unmittelbaren Umgebung ein.
Iurinos Objekte sind stark vom Prozess ihrer Entstehung geprägt: dem Testen von Materialkombinationen und Produktionsmethoden. Material und Maßstab ermöglichen es diesen Werken, sich mit dem Raum zu verbinden, der uns umgibt. In ihrer Einfachheit, Unmittelbarkeit und Brauchbarkeit bringen die Werke die Komplexität von Strukturen und Formen zum Vorschein, die uns vertraut sind.
Carte Blanche
Ein Raum für zeitgenössische Perspektiven. Lokale und internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten in einem hybriden Format – als physische Ausstellung im Haus und als digitale Galerie.





































































































