Leander Schwazer
Leander Schwazer (*1982) ist ein multidisziplinärer Künstler, der in Wiesen (I) lebt und arbeitet. Seine künstlerischen Werke sind in zahlreichen öffentlichen sowie privaten Sammlungen vertreten, und Schwazer hat seine Kunstwerke seit 2007 in vielen internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Leander Schwazer studierte Freie Kunst in Zürich, Peking und Los Angeles. In den letzten Jahren begann Leander Schwazer, mit recycelten Werbebuchstaben zu arbeiten und große Skulpturen und Installationen zu schaffen, die Form und Inhalt verbinden. Die Ausstellung „A,E,I,O,U“ im Hotel Aurora in Meran ist eine Verdichtung dieses Werkzyklus. Der Künstler erkundet Sprache auf skulpturale Weise und konzentriert sich mit der Ausstellung „A,E,I,O,U“ auf die grundlegenden Bausteine der Sprache, nämlich die Vokale. Die Sprachskulpturen von Leander Schwazer verbinden Form und Inhalt und verleihen dem Immateriellen der Sprache Materialität. Die Skulpturen sprechen den Betrachter direkt an, sowohl in ästhetischer als auch in konzeptioneller Dimension.
Vokale sind nicht nur die Bausteine der meisten Wörter, sondern tragen auch eine symbolische und kulturelle Bedeutung, die weit über ihre phonetische Funktion hinausgeht. Diese Klänge, die durch die Resonanz unserer Körper erzeugt werden, verbinden uns direkt mit der Vibration von Sprache und Ausdruck. Diese Klänge sind mit Emotion, Intimität und Authentizität verbunden. Darüber hinaus laden die impliziten Assoziationen von „A,E,I,O,U“ zu einer Vielzahl von Interpretationen und Rätseln ein oder symbolisieren in vielen Kulturen kosmische Harmonie.
„Science is spectral analysis. Art is light synthesis.“
— Karl Kraus
Über
Leander Schwazer – A E I O U
Eine Sonnenuhr am Gerichtsgebäude der historischen Stadt Meran trägt an ihrem oberen Rand die Buchstaben „A. E. I. O. U.“ und inspirierte den Künstler Leander Schwazer zur Schaffung seiner gleichnamigen Ausstellung im Hotel Aurora, die speziell für die „Carte Blanche“-Reihe konzipiert wurde.
Aus linguistischer Sicht bilden die Buchstaben A, E, I, O und U das sogenannte Vokalalphabet. Hier begann die westliche Schriftsprache – und Kultur. Denn ältere Schriftsprachen kannten nur Konsonanten. Die Einführung von Vokalen war eine Revolution in der Medientechnologie, von der angenommen wird, dass sie von den Griechen verwendet wurde, um Homers Epen aufzuzeichnen. Unsere Schrift beginnt mit diesen Liedern, mit Poesie, mit Schönheit.
Die Buchstabenfolge auf der Meraner Sonnenuhr bezieht sich auf ein habsburgisches Motto, dessen Bedeutung bis heute ein Rätsel bleibt. Die Möglichkeiten reichen von „Austriae est imperare orbi universo“ („Österreichs ist es, über die ganze Welt zu herrschen“) bis zu „All the earth is subject to Austria“ („Die ganze Erde ist Österreich untertan“) oder dem Vorschlag einer Zeitung: „All deciphering is obviously uncertain“ („Alle Entzifferung ist offensichtlich unsicher“).
In seiner Ausstellung „A E I O U“ nähert sich Leander Schwazer dem Rätsel hinter dem Motto und den vielfältigen Verbindungen zwischen Vokalen und Kultur – mal klar strukturiert, mal spielerisch. In der Galerie des Hotels formt der Künstler die Buchstabenfolge im Stil einer Sonnenuhr, ein himmlischer Stern aus beleuchteten Buchstaben, der so intensiv leuchtet, als wolle er den Theaterplatz erhellen.
Ob gesungen oder gesprochen, Vokale lassen verschiedene Resonanzbereiche des Körpers vibrieren und können direkt Freude, Schmerz, Erstaunen, Ekel oder Vergnügen ausdrücken.
In seinen Werken interessiert sich Leander Schwazer besonders für diese physischen Aspekte der Sprache als Kommunikation. Er stellt das Menschliche dem Nicht-Menschlichen gegenüber: Ein ornamentales Gemälde erinnert an abstrakte Malerei, folgt aber einem Muster, das von einem Tier – der Perleidechse – geschaffen wurde. Die Geometrie und Färbung der Schuppen ändert sich von Braun mit hellen Flecken zu einem grün-schwarzen Mosaikmuster, während die Eidechse heranwächst. Die Schuppen der erwachsenen Perleidechse wechseln auch wiederholt die Farbe zwischen Grün und Schwarz. Dies macht die Perleidechse zum ersten Beispiel eines „zellulären Automaten“ in einem lebenden Organismus, einer Rechenmaschine, die von einem Pionier der Informatik, John von Neumann, entworfen wurde.
In seinem Gedicht „schtzngrmm“ von 1957 ließ der Schriftsteller Ernst Jandl die Waffen sprechen, wobei er nur Konsonanten verwendete. Er malt ein onomatopoetisches Bild des Krieges, macht Gewehrsalven, Detonationen und das Zischen von Flammenwerfern hörbar – ganz ohne Vokale, Schönheit oder Gesang, die andere Seite der Kultur. Inspiriert von diesem Gedicht erscheinen in einem von Leander Schwazers Vokalbildern ein kleines und kaum sichtbares T und S. Ts – wie das Geräusch einer brennenden Zündschnur.
Transformationen, die Begegnung von Mensch und Tier, Zeichen und Licht ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.
In der Hotelbar gibt es kleine Skulpturen, in denen Lichter und Tiere verschmolzen zu sein scheinen. Die Werke zeigen, wie Leander Schwazer früh mit Licht arbeitete, und zwar mit Glühbirnen. Der Künstler hat das Innere der Glühbirnen ans Licht gebracht und sie in insektenartige Kreaturen verwandelt.
Formen, die in leuchtenden Farben strahlen, wie die der beleuchteten Buchstaben. Vielleicht wurden die hellgrünen Umschläge im Hotel von ihnen verschickt? Oder war es am Ende doch die Perleidechse? Alles beginnt und endet mit einem Umschlag, einem Rätsel – „YES“ zum Rätsel. Eine Wortskulptur wie ein Friedenszeichen.
Leander Schwazer, geboren 1982 in Sterzing, Italien, lebt und arbeitet in Wiesen (I). Schwazer studierte an der Zürcher Hochschule der Künste (CH), der Central Academy of Fine Art, Peking (CHN), und dem California Institute of the Arts, Valencia (USA). Seine postkonzeptionellen Werke sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen zu finden.
Shapes that shine in bright colours, like those of the illuminated letters.Perhaps the bright green envelopes in the hotel were sent by them? Or was it the pearl lizard after all? Everything begins and ends with an envelope, a riddle – „YES“ to the enigma. A word sculpture like a peace sign.
Leander Schwazer, born in 1982 in Sterzing, Italy, lives and works in Wiesen (I). Schwazer studied at the Zurich University of the Arts (CH), the Central Academy of Fine Art, Beijing (CHN) and the California Institute of the Arts, Valencia (USA). His post-conceptual works can be found in numerous public and private collections.
Carte Blanche
Ein Raum für zeitgenössische Perspektiven. Lokale und internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten in einem hybriden Format – als physische Ausstellung im Haus und als digitale Galerie.












































































































